Bodenkongress 2026
Bundesweiter Kongress zu gerechter Bodenpolitik und Zugang zu Land, am 13. – 14. März in Apolda, Thüringen
Gemeinsame Pressemitteilung von Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland, Förderverein bäuerliche Landwirtschaft & Netzwerk Flächensicherung
Überwältigende Beteiligung beim bundesweiten Bodenkongress - spannende Diskussion mit Bodo Ramelow und Elisabeth Kaiser
Bundesweiter Bodenkongress in Apolda setzt wichtiges Zeichen für gerechte Bodenpolitik
Apolda, 14.3.2026 Der bundesweite Bodenkongress in Apolda setzte gestern und heute ein wichtiges Zeichen für eine gerechte Bodenpolitik und für einen verbesserten Zugang zu Land für bäuerliche Betriebe und Existenzgründer:innen. Im Eiermannbau in Apolda kamen insgesamt über 180 Vertreter:innen aus Landwirtschaft, Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um über Wege zu einer gemeinwohlorientierten Gestaltung des Bodenmarktes zu diskutieren. Anlass der Veranstaltung ist der zunehmende Druck auf dem deutschen Bodenmarkt: Immer mehr Agrarflächen werden von nicht-landwirtschaftlichen Investoren gekauft, während sich für viele bäuerliche Betriebe und Existenzgründer:innen der Zugang zu Land zunehmend erschwert.
Dr. Jan Brunner, Geschäftsführer der AbL Mitteldeutschland: „Wir setzen mit dem Kongress ein Zeichen, dass Bodenpolitik und der Zugang zu Land ein zentrales Thema für Landwirte, aber auch die gesamte Gesellschaft ist. Steigende Preise für Boden, der Ausverkauf der Landwirtschaft an Investoren wie Deutsche Wohnen oder Igneo oder Infrastrukturprojekte: all das gefährdet bäuerliche Betriebe, Existenzgründungen in der Landwirtschaft und letztlich die Ernährungssouveränität der Gesellschaft. Wollen wir auch in Zukunft eine gute Versorgung der Bevölkerung durch regionale bäuerliche Betriebe sicherstellen, muss die Politik handeln. Wir brauchen mehr Transparenz und eine strengere Regulierung des deutschen Bodenmarkts. Öffentliche Flächen etwa der BVVG sollten gemeinwohlorientiert verpachtet werden. Auch in der GAP müssen agrarstrukturelle und bodenpolitische Fragen mitgedacht werden. Instrumente gibt es mehr als genug. Jetzt liegt es an der Politik zu Handeln und eine zukunftsorientierte Bodenpolitik umzusetzen“.
Stephanie Wild, Projektleiterin von Kulturland und Vorständin des Netzwerk Flächensicherung: "Der Kongress hat gezeigt, dass wir die Debatte, wem der Boden gehört, in der Breite der Gesellschaft führen müssen. Denn Boden ist kein Gut wie jedes andere. Boden ist Existenzgrundlage für Bäuerinnen und Bauern, Grundlage für Anpassungen an den Klimawandel, Basis für Ernährungssouveräntität und für Biodiversität. Letztlich betrifft uns das alle. Der Kongress hat auch gezeigt, dass sich viele Probleme auf dem landwirtschaftlichen Bodenmarkt auch in der Stadt zeigen, etwa Share Deals oder steigende Bodenpreise. Gemeinsam ist beiden auch, dass der Staat seiner Pflicht nicht nachkommt, ihn zu schützen und gerecht zu verteilen. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf."
Am ersten Kongresstag wurden die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für eine faire Bodenpolitik intensiv beleuchtet und die Entwicklungen auf dem landwirtschaftlichen und städtischen Bodenmarkt in Verbindung gesetzt. Zudem fanden verschiedene Diskussionsrunden zwischen Wissenschaft, landwirtschaftlicher Praxis und Politik statt. Am Nachmittag fand die Gründung eines Trägerkreises für ein Volksbegehren in Thüringen „Heimische Landwirtschaft vor Investoren schützen“ statt, was auf großen Zuspruch stieß. Am Abend bekräftigte dies etwa Bodo Ramelow (MdB und Thüringer Ministerpräsident a.D), der sich klar für ein Volksbegehren in Thüringen aussprach. An der Podiumsdiskussion nahmen auch Elisabeth Kaiser (Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland) und Martin Häusling (MdEP) teil. Frau Kaiser äußerte sich hier zur aktuellen Debatte um die BVVG Flächen und betonte, dass eine Privatisierung des BVVG Landes für sie und die SPD keine Option sei. An Tag zwei fokussierte die Veranstaltung auf Visionen für eine gerechte Bodenpolitik und die Situation von Junglandwirt:innen und Existenzgründer:innen.
Reiko Wöllert, Landwirt aus Haina (Thüringen) und stellv. AbL-Bundesvorsitzender hierzu:
„Wir Bäuerinnen und Bauern können nicht mit außerlandwirtschaftlichen Investoren konkurrieren, junge Existenzgründer ohne Land noch viel weniger. Die Konzerne erwirtschaften ihr Geld nicht aus der Landwirtschaft und können deshalb beliebig hohe Preise zahlen. Damit treiben sie die Bodenpreise nach oben und gefährden die Existenz bäuerlicher Betriebe deutschlandweit, aber speziell auch in Thüringen. Leider hat die Politik bislang nichts dagegen unternommen. Daher nehmen wir unser Schicksal nun selbst in die Hand und werden gemeinsam mit anderen Verbänden den Trägerkreis "Heimische Landwirtschaft vor Investoren schützen“ gründen. Wir wollen mit einem Volksbegehren in Thüringen die Regierung dazu bringen, den Ausverkauf der Landwirtschaft an Investoren wie Aldi oder die Münchener Rück zu unterbinden. Wir werden auf die Straßen Thüringens ziehen und Unterschriften sammeln. Wir zählen dabei auf jeden Thüringer und jede Thüringerin: unterschreiben Sie für eine regionale vielfältige Landwirtschaft“.
Diese Veranstaltung wird mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union erstellt. Für den Inhalt der Veranstaltung ist ausschließlich der FöbL e.V. verantwortlich und es gibt nicht die Position der Europäischen Union wieder. Zusätzlich wird der Kongress von der Robert Bosch Stiftung gefördert. Mehr Infos gibt es hier.
Pressebilder finden Sie unter diesem Link zur Verfügung. Als Quelle geben Sie bitte Anne Jahn an.
Hintergrundinformationen
Programm & Infos: https://www.abl-mitteldeutschland.de/bodenkongress-2026
Zu Bodenpolitik: https://www.abl-mitteldeutschland.de/themen/bodenmarkt
Pressekontakte
Dr. Jan Brunner, Geschäftsführer AbL Mitteldeutschland und AbL-Bodenmarktexperte
Mail: mitteldeutschland[at]abl-ev.de
Tel.: 0157-58084436