Rückblick auf Generalversammlung und Sommerfest

Den Auftakt unseres diesjährigen Sommerfests bildete ein geselliger Abend am Lagerfeuer. Johannes, Landwirt auf dem Lohmannshof, wechselte sich mit den Kulturland-Kolleg:innen Titus, Stephanie und Christian an der Gitarre ab – bis ein Regenschauer kurz nach Mitternacht die letzten Nachtschwärmer ins warme Bett oder in den Schlafsack trieb.


Samstagvormittag: Vielfältiger Bio-Hof und lebendige Genossenschaft


Bei der Hofführung am Samstagmorgen erfuhren wir, wie vielfältig der Lohmannshof aufgestellt ist. Beim letzten Generationenwechsel hat Amalie Lohmann den Betrieb ihrer Eltern mit Freund:innen zusammen übernommen. So wurde der Hof vom Familienunternehmen zum Gemeinschaftsprojekt. Mittlerweile haben sich eine Gemüsegärtnerei, eine Gärtnerei für Teekräuter- und blüten und ein Vermarktungsbetriebangegliedert. Nach einem angeregten Gespräch über Fruchtfolgen, Bodenaufbau und Landpreise ging es weiter in den Hofladen und in die Backstube, in der auch unser Frühstücksbrot entstanden war.


Im Anschluss begann die eigentliche Generalversammlung mit den Berichten: Mit acht beurkundeten Landkäufen und 873 neuen Mitgliedern ist unsere Genossenschaft  in 2025 kräftig gewachsen! Nach zwölf Jahren im Aufsichtsrat verabschiedeten wir Mathias Zaiser aus diesem Ehrenamt. Er möchte die frei werdende Zeit künftig für andere Projekte nutzen und blickt voller Zuversicht auf den Weg, den Kulturland eingeschlagen hat.


Zum Mittagessen spazierten wir gemeinsam zur Kultur-Kneipe Westen, wo uns ein buntes, leckeres Buffet erwartete – herzlichen Dank an Köchin Rita, die uns mit tatkräftiger Schnippel-Unterstützung aus der Teilnehmer:innenschaft versorgt hat. Gestärkt ging es zurück in die Scheune: Vorstand und Aufsichtsrat wurden entlastet, einige kleine, aber wichtige Satzungsänderungen beschlossen – und bei Kaffee und 15 selbstgebackenen Kuchen ließ sich die Versammlung gut verdauen. Auch dafür: vielen Dank!


Sommerfest: Boden, Beziehung und neue Wege


Am Nachmittag eröffneten Stephan Illi und Amalie Lohmann gemeinsam das Sommerfest. Christoph Bautz und Sophie von Redecker hielten zwei bewegende Vorträge zur Frage „Wie bringen wir das Neue in die Welt?". Christoph plädierte dafür, mit AfD-Wähler:innen ins Gespräch zu kommen und sich ehrlich für ihre Beweggründe zu interessieren – Konfrontation allein bringe uns nicht weiter. Sophie, selbst auf einem Bio-Hof aufgewachsen und neben ihrer akademischen Arbeit als Solawi-Gärtnerin tätig, näherte sich berührend der bäuerlichen Beziehung zum Boden: Für Bäuer:innen weltweit ist Boden kein austauschbares Gut, sondern ein lebendiger Organismus, untrennbar mit dem eigenen Leben verbunden. Agrarökologische Anbausysteme, seit Jahrtausenden erprobt und stetig weiterentwickelt, zeigten schon heute, wie eine zukunftsfähige, fürsorgliche Gesellschaft aussehen kann.


In der anschließenden Diskussion zeigte sich: Indem wir in der Kulturland-Genossenschaft Boden gemeinsam kaufen und dabei keine Gewinnabsichten verfolgen, wirken wir daran mit, eine Kultur der Fürsorge im Umgang mit dem Boden zu etablieren. Doch klar ist auch: diese Möglichkeit steht bislang nur wenigen Höfen offen. Es ist nötig, endlich einen Rechtsrahmen zu schaffen, der Bäuer:innen stärkt und vor Ausbeutung schützt: konkret durch wirksame Agrarstrukturgesetze in allen Bundesländern und eine Agrarförderung, die sich an Gemeinwohlleistungen orientiert.


Mit einigen Antworten und neuen Fragen teilte sich die Gruppe nun auf vier Workshops auf: Burkhard Kayser führte in Agroforstsysteme ein, Kulturland-Jurist Christian erklärte zusammen mit Sarah Hoffmanns vom Hof Biolee, wie das Landkaufmodell funktioniert – und warum wir dafür im vergangenen September in Münster vor Gericht ziehen mussten (und gewonnen haben!). Titus regte eine Diskussion über Naturschutz an, den er lieber als aktive Landschaftsgestaltung verstanden wissen möchte, während Stephan moderierte ein Gespräch darüber, wie sich die Überzeugung „Boden ist keine Ware" noch wirksamer in die Welt tragen lässt.


Beim Abendessen gab es Salate und eine Käseplatte mit Köstlichkeiten unserer Partnerhöfe Hofgemeinschaft Grummersort und dem Sonnengut Gerster. Den bunten, mitreißenden Abschluss bildete das Konzert der Band Dervjani – mit Kulturland-Vorstand Titus, der für diesen Abend kurzerhand den Hut wechselte und selbst auf der Bühne stand.



Sonntag: Ackerführung, Sonnenstrom und Artenvielfalt


Am Sonntagmorgen brachen rund 40 Teilnehmende zur Exkursion auf die Felder des Lohmannshofes auf. Im Kleegras, fest in die Fruchtfolge integriert, stehen ein mobiler Legehennenstall und ein Hähnchenstall für die Brüder der Hennen, daneben wachsen Porree, Knoblauch und Kartoffeln. Blühstreifen, Kleegrasflächen und Kirschbäume am Feldrand schaffen Lebensraum für zahlreiche Vogel- und Insektenarten – dem Lohmannshof ist es wichtig, Produktion und Artenschutz zusammenzudenken.


Anschließend besuchten wir eine Agri-Photovoltaik-Anlage des Landkreises Verden, die zu Forschungszwecken betrieben wird. Das Besondere: Die Module stehen senkrecht und nehmen Sonnenenergie von beiden Seiten auf, sodass sie morgens und abends am meisten Strom liefern. So kann die Fläche zwischen den Modulen weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden, derzeit durch Getreideanbau vom Lohmannshof. Es ist ein Versuch – ob eine Fläche durch diese Art der kombinierten Nutzung auch einen gewinnbringenden kombinierten Ertrag liefern kann, werden die nächsten Jahre zeigen. Einig waren wir uns jedenfalls: Ackerland soll in erster Linie dem Anbau von Lebensmitteln dienen.



Die dritte und letzte Station war eine naturnahe Blühwiese, die der Verein Aller Arten e.V. angelegt hat. Dank Hecken und mehreren Teichen fühlen sich hier auch seltene Amphibien wohl. Anders als auf dem Acker geht es hier darum, das Nährstoffangebot im Boden bewusst niedrig zu halten, denn viele wilde Kräuter brauchen genau solche Bedingungen – bei zu viel Stickstoff nehmen sonst rasch Brennnesseln und wenige dominante Gräser überhand.


Ein Wochenende voller Begegnung und neuer Eindrücke – und ein schöner Beweis dafür, wie lebendig unsere Kulturland-Gemeinschaft ist. Wir bedanken uns ganz herzlich beim Lohmannshof für die wunderbare Gastfreundschaft und tatkräftige Unterstützung sowie bei allen Mitwirkenden und Teilnehmenden: Gemeinsam haben wir ein wunderbares Fest und eine erfolgreiche Generalversammlung 2026 gestaltet!


PS: Der LohmannsHof freut sich noch über Beteiligungen an seinem Landkaufprojekt:  Gemeinsam kaufen wir 7,5 ha Ackerland in Dörverden. Dort wird in den kommenden Jahren in Kooperation mit der Gärtnerei Weser Wuchs ein Zukunftsacker mit Agroforstsystem angelegt. Weitere Information dazu findest Du auf der Kampagnenseite.