Existenzgründungsprämie unabdingbar für Zukunft der Landwirtschaft
Fachtagung debattiert Zukunftsperspektiven junger Menschen in der Landwirtschaft beim Fachtag „Wer macht uns den Hof?“
Über die Situation und die Möglichkeiten für Hofnachfolger und landwirtschaftliche Existenzgründungen informierten sich heute Junglandwirtinnen, Fachleute und Verwaltungsmitarbeitende auf der Fachtagung „Wer macht uns den Hof? Existenzgründung und Hofnachfolge in der Landwirtschaft – neue Ansätze und Erwartungen an die Politik“ in Berlin. Vertreterinnen landwirtschaftlicher Jugendverbände diskutierten mit Mitarbeitern der Landwirtschaftsministerien in Saarland und Niedersachsen die Ausgestaltung der dort bereits bestehenden nicht flächengebundenen sondern konzeptbasierten Existenzgründungsprämien.
Existenzgründungsprämien sind ein wichtiges Instrument um jungen Menschen mit innovativen Ideen und wirtschaftlich soliden Betriebskonzepten den Einstieg in die Landwirtschaft zu ermöglichen. Besonders außerfamiliäre Hofnachfolgen und Neugründungen drohen sonst zu scheitern. Diese benötigen häufig sehr viel Kapital bei vergleichsweise schlechter Rentabilität im Vergleich zu anderen Branchen. Ausgerichtet wurde die Fachtagung vom Netzwerk Flächensicherung, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und der Kulturland e.G.
Antje Holländer, Gärtnerin und Sprecherin der Fachgruppe Jugend der AbL:
„Konzeptbasierte Existenzgründungsförderung macht viele Betriebsgründungen angesichts der immensen Investitionskosten wirtschaftlich überhaupt erst möglich. Sie ist damit ein wichtiges Instrument, um gezielt junge Betriebe zu fördern, die Arbeitsplätze schaffen, innovative Ideen umsetzen und den ländlichen Raum beleben und stärken. Es ist deswegen gut dass sich viele Bundesländer bereits auf den Weg gemacht haben und entsprechende Prämien anbieten. Gut ist auch das EU Agrarkommissar Hansen die Umsetzung einer konzeptbasierten Existenzgründungsprämie in der GAP ab 2028 in allen EU-Mitgliedstaaten verpflichtend machen will. Hierbei wird es allerdings sehr darauf ankommen diese bereits auf EU-Ebene so auszugestalten, dass die jungen Menschen gefördert werden, welche auch einen konkreten Bedarf und ein gutes Konzept haben. Die beste Anschubfinanzierung hilft zudem nichts wenn ein Betrieb nicht langfristig tragfähig ist. Die Umsetzung einer EU-weiten Existenzgründungsprämie muss daher unbedingt mit einer Stärkung der Position der Landwirt:innen am Mark einhergehen.“
Die Landwirtschaft steht vor einem historischen Generationswechsel. In Deutschland sind 48 % der betriebsleitenden Einzelunternehmungen 55 Jahre alt und älter. Bei 63 Prozent von Ihnen ist noch keine Hofnachfolge benannt. In der EU sind nur 12 Prozent der Bäuerinnen und Bauern jünger als 40 Jahre. Gründe dafür sind auch der schwierige Zugang zu Land und die sehr hohe Kapitalintensivität in der Landwirtschaft. 816.000 Euro braucht es, um eine Vollzeitstelle in der Landwirtschaft zu schaffen, Der Faktor Boden hierbei noch nicht einbezogen.
Anne Neuber, Agrarreferentin beim „Netzwerk Flächensicherung“:
„Der historische Generationenwechsel in der Landwirtschaft fordert uns alle zum Handeln auf. Wenn wir in Zeiten des Klimawandels weiterhin gesunde und regionale Nahrungsmittel wollen, müssen wir als Gesellschaft jungen Menschen in der Landwirtschaft eine Perspektive schaffen. Eine flächenunabhängige Existenzgründungsprämie ist unabdingbar, kann aber nur der erste Schritt sein.“
Stephanie Wild, Projektleiterin bei der Kulturland e.G.:
„Die Tagung hat gezeigt, wie dringend das Thema Hofnachfolge in der Landwirtschaft ist. Es ist wichtig, dass die gesellschaftliche Debatte dazu weitergeht, damit junge Menschen eine Perspektive in der Landwirtschaft sehen.“
Das vollständige Programm finden Sie > hier
Kontakt für die Presse:
Theresa Lehr, Fachgruppe Jugend der AbL: lehr@abl-ev.de
Anne Neuber, Netzwerk Flächensicherung: anne.neuber@zugangzuland.de
Stephanie Wild, Kulturland e.G.: stephanie.wild@kulturland.de>