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Veröffentlicht am Donnerstag, 18. Juni 2020 (bearbeiet: 22.06.20, 14:41)

Kulturland eG und rechte Siedler

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Zusammenfassung

„Es reicht nicht aus, 'kein Rassist' zu sein. Wir müssen Antirassisten sein“ - Bundespräsident Steinmeier
Diesem Grundsatz wollen wir Rechnung tragen und werden mit Initiativen, die eine ausdrückliche Stellungnahme zu fraglichen ideologischen Inhalten vermissen lassen, nicht zusammen arbeiten.

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Veranlasst durch eine Anfrage sehen wir uns zu einer Klarstellung veranlasst. 

Mit  "rechten Siedlern" müssen sich Bio-Anbauverbände, SoLaWis und auch die sozial-ökologische Gemeinschaftsszene leider immer wieder auseinandersetzen. Der Umgang damit ist schwierig, weil es einerseits um ein emotional aufgeladenes Thema von hoher prinzipieller Bedeutung geht, andererseits tragende Initiativen und Einzelpersonen oft so freundlich, engagiert und offensichtlich harmlos daherkommen. 

Doch wo hört Harmlosigkeit auf, wo fängt Verharmlosung an? Nehmen wir zum Beispiel „Familienlandsitze“ von 1 ha Größe mit Wohnhaus, auf denen sich eine Familie autark und ökologisch versorgt, wie sie z.B. die auch in Deutschland aktive Anastasia-Bewegung des russischen Autors Vladimir Megre propagiert. 

Gegen solche Kleinsthöfe ist bestimmt nichts einzuwenden, sie tun der Natur gut, lösen einige Probleme (schaffen dafür vielleicht neue, z.B. zur Frage von Geschlechterrollen, Kinderarbeit und Selbstausbeutung), wurden von früheren Sozialreformern auch schon vorgeschlagen, würden im Übrigen von uns nicht als Bodenträger unterstützt, denn wir möchten mit unseren Mitteln regional eingebundene Höfe mit Außenbezügen fördern und unterstützen keine Selbstversorgerprojekte.

Was aber die Anastasia-Bewegung angeht, müssen wir klare Stellung beziehen. Der ideologische Kontext der Familienlandsitz-Bewegung, der in den zehn Anastasia-Büchern von Megre ausgebreitet wird, ist rückwärtsgerichtet und ausdrücklich antisemitisch. Beschrieben wird eine glückliche Vergangenheit, in der eine fiktive „reinrassige“ Urbevölkerung (die Weden) im Einklang mit der Natur lebte: Dort sei unsere Zukunft, in „natürlichen“ Lebensweisen und Geschlechterrollen. Die moderne Zivilisation verbaue diesen Weg, sie müsse überwunden werden. 

Doch was heißt das, die Zivilisation überwinden? Was ist mit Menschenrechten, Selbstbestimmung, Wissenschaft, Meinungsfreiheit? Wie verträgt sich die Anastasia-Zukunft mit in einer weltoffenen, pluralistischen, rechtsstaatlichen und freiheitlichen Gesellschaft? 

Spätestens hier heißt es aufwachen. Wir leben in Deutschland. Es gibt bei uns in diesen Dingen keine Unschuld mehr. Ich kann Anregungen aus einem fragwürdigen Kontext (der vielleicht nicht sofort erkennbar ist) aufnehmen, aber ich kann dies nicht tun, ohne mich auch mit dem Kontext zu beschäftigen und dazu Stellung zu beziehen. Einordnen und ggf. Distanzieren ist gefordert.

An den Gräueln des Nationalsozialismus war von uns Nachlebenden niemand beteiligt. Gerade das macht Achtsamkeit und Erinnerung unverzichtbar. Die Taten und Unterlassungen unserer Großeltern sind uns allen bekannt. Erinnerung muss bewusst geleistet werden, sonst verschwindet mit dem Gedächtnis auch die Würde der Opfer. Es ist unsere Aufgabe, unser Leben dafür einzusetzen, dass es nie wieder zu menschenverachtenden Gesellschaftsverhältnissen kommt. 

Wir haben uns daher darauf verständigt, dass wir mit Initiativen, die eine ausdrückliche Stellungnahme zu fraglichen ideologischen Hintergründen – sei es aus Vorsatz, sei es aus Naivität – vermissen lassen, nicht zusammenarbeiten werden.